Über Musical

aus und nach einem Beitrag für die Website von Jugend musiziert (Erstveröffentlichung 2007)

von Frank Alva Buecheler

 

 

Was ist Musical? Die Beantwortung dieser Frage könnte Bibliotheken füllen. Doch pflegt die Wissenschaft sich nicht so umfangreich mit einem Kunstgenre zu beschäftigen, das ausdrücklich der Unterhaltung gewidmet ist, beziehungsweise die Unterhaltung des Publikums ganz wesentlich als ein Gestaltungsmittel einsetzt.

 

Grob umrissen lässt sich sagen: das Musical entwickelte sich in den 1920er und 1930erJahren in Nord-

amerika, ganz besonders in New York am Broadway, wo Vaudevilles und Revuen ziemlich derben Zuschnitts seine Vorläufer waren. Das Musical entstand, als diesen Shows zunehmend durchgehende Handlungsstränge zu Grunde gelegt wurden, als aus dem auftretendem Typen-Personal Charaktere wurden. Wesentlich für die Entstehung des Musicals war der Jazz, also der vom afrikanischen Kontinent herübergekommenen Melodik und vor allem Rhythmik.

 

Aber auch in Europa und speziell im deutschsprachigen Raum jener Zeit wurde von Autoren und Komponisten, Regisseuren, Choreographen und Ausstattern vieles erfunden, was aus den Bezirken von Revue und Operette in Richtung Musical ging. Auch bestand über den Atlantik hinweg ein reger Austausch zwischen Künstlern und Produzenten. Die Wirkung, die von Film und Tonfilm – zum Beispiel aus den legendären UFA- Studios von Babelsberg - und vom Hollywoodkino ausging, tat ein Übriges.

 

Und so ist bis heute eine wesent- liche Fähigkeit des Musicals geblieben, die denkbar vielfältigsten künstlerischen und technischen Neuerungen oder gesellschaftlichen Aspekte aufzunehmen und zu verarbeiten. Nicht zuletzt dies hat das Musical in den letzten 70 Jahren so erfolgreich gemacht – mittlerweile weltumspannend.

 

Das wesentliche Charakteristikum des Musicals ist neben der Integration immer neuer szenografischer Effekte das Zusammenspiel von Gesang, Tanz und Schauspiel. Musicaldarsteller sind Spezialisten auf allen drei Gebieten, die zudem diese verschiedenen Ausdrucksformen zu einem durchgängigen Gesamteindruck zu verbinden haben.

 

Obendrein stehen uns heute eine große Bandbreite an Stilen der Darstellung, des Gesangs, des Tanzes zur Verfügung – und keineswegs alles passt mit allem zusammen oder ergibt bei beabsichtigt „schrägen“ Kombi-nationen wirklich reizvolle Reibung. So gehört – im Idealfall – also auch ein erhebliches Stilbewusstsein und eine absichtsvolle Stilsicherheit zum Genre Musical. Für die auf, vor und hinter der Bühne erfordert es in der Regel viele Jahre Training und Erfahrung, bis sich alles so selbstverständlich, so scheinbar leicht zusam-menfügt und ergänzt, bis qualitätvolles Musicaltheater entsteht.

 

Außerdem gehört zu einem lebendigen Theatergenre, dass ständig neue Wege gesucht, neue Ansätze versucht und bisher Unbekanntes ausprobiert wird. Auf vielschichtige und schillernde Art ist schließlich alle Kunst immer im Dialog mit ihrer Zeit und zielt darauf, diese einzufangen, zu spiegeln und ihr im besten Fall sogar – sinnliches, lustvolles - Versuchslabor für die Zukunft zu sein.

 

Im Sinne dieses Umrisses verstehen wir die Gattung Musical und unser Bestreben zur Förderung des Genres im vorprofessionellen und vollprofessionellen Bereich. Ganz ausdrücklich möchte wir junge Amateur- oder zukünftigen Profi-Darsteller und auch unsere erfahrenen Kollegen auffordern, sich dem enormen Fundus des Genres originell und einfallsreich zu nähern. Es gibt umfangreiche und großartige Literatur, angefangen bei Chansons und Couplets der 20er Jahre, über Revue und Jazzoperette, Filmmusical der 30er Jahre, Holly- woods Revuefilme aus den 40ern, den Broadway-Musicals der 50er Jahre usw. usf. bis in unsere Gegenwart. Wer nicht immer nur aus den gängigen zwei Dutzend Titeln und Nummern – so gut diese sein mögen - sein Repertoire schöpft, darf also gehobener Aufmerksamkeit sicher sein.

 

Beim Lernen und Sammeln von Erfahrung ist die Orientierung an Vorbildern selbstverständlich legitim. Aber der Vortrag sollte sich nicht in der Kopie oder Imitation bekannter Stars und ihrer sattsam bekannten Inter-pretationen erschöpfen. Denn es ist das Einzigartige, auch das Eigenwillige, was die Zuschauer fesselt.

 

So muss sich jeder Musicaldarsteller immer wieder fragen: Was macht mich eigentlich aus? Wie möchte ICH diese Szene, diesen Song, diese Choreographie gestalten (interpretieren)? Mit anderen Worten, man muss nicht nur sehr viel seiner Persönlichkeit in seine Darstellung legen, sondern sich gewissermaßen komplett einbringen. Dabei darf man jedoch auch nie „privat“ werden auf der Bühne – das möchte ein Publikum auch nicht sehen. Es muss immer erkennbar sein, dass es sich bei einer Darbietung auf der Bühne um Gestaltung handelt, die einer künstlerischen Sichtweise und Idee entspringt.

 

Soweit in der gebotenen Kürze unsere Anmerkungen zum Thema Musical. Die Quintessenz heißt: Gehen Sie unvoreingenommen, gehen sie kreativ damit um!

 

Ein Text! Sie können ihn mit Inhalt füllen, verschieben, kopieren oder löschen.

 

 

Unterhalten Sie Ihren Besucher! Machen Sie es einfach interessant und originell. Bringen Sie die Dinge auf den Punkt und seien Sie spannend.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Dorothea Schneider